(Brief)Wahl in Berlin, eine Alternative?

Nun ist sie wieder da, die Qual der Wahl…
Für alle die am Wahltag nicht in Berlin sein können und damit nicht an einer Wahlurne wählen können sowie die eh nicht zu einer Urne gehen können, das Wahllokal unten im Haus haben oder eine Hilfe dabei haben, wird die Briefwahl empfohlen.
Warum interessiert uns das? Sind Wahlen nicht per se unnütz, Betrug, blöd?
Eigentlich schon, ja. Aber, nicht in jedem Fall der Anwendung und nicht direkt. Vor allem leider dann nicht, wenn schon – laut „Umfragen“ – 15% Afd und anderer brauner Scheiß von Pros bis NPD drohen. Schlimmer noch als henkelschwere CDUtrübe Tassensuppe.
Ungültigwählen ist also immer noch eine Option neben dem bewußten Nichtwählen, wenn genug Selbstorganisation geübt wird. Doch wo ist die in der realen Praxis? Wie weit kommen die kleinen und Kleinstkollektive voran, wo stehen die Hausprojekte heute? Unglücklicherweise selbst, z.T. mehr in den Irrungen und Wirrungen der postmodernen Gesellschaft, der Beliebigkeit und Ideologie nach den 1990ern. Am berlinschlandschen Einheitsbrei wirds also wohl auch diesmal kein vorbeikommen geben, von einer Überwindung ganz zu schweigen.
Stehen doch wieder genug biodeutsche, bürgerliche, neoliberale braungrünschwarzrotblaugelbweiße Fähnchen im Wind bereit, die sich schon an den Masten drehen oder mit oberschlauen Sprüchen und coolen Werbekampagnen versuchen Blickfang zu sein. Gezieltes „Protestwählen“ gegen Rechts kann dann für den Augenblick wenigstens eine kleine Alternative, vor dem Ausweg, der Barrikade auf dem Weg des langen Marschs und dem Abriß aller Brücken, darstellen, sind diesmal doch ein paar Sachen auf dem Wahlzettel die einen Augenblick wenigstens Augenmerk verlangen. (Die Wege zu unterwandern sollte ansonsten sowieso geübt werden.) Das meiste davon ist zwar wieder nur Blödsinn oder selbst problematisch (vgl. z.B. sog. „Bergpartei“ (siehe unten) etc.), aber immerhin sollte verhindert werden, daß rechte bzw. noch rechtere Parteien/Gruppierungen ins Abgeordnetenhaus einziehen können (vgl. Afder, Alfatierchen, pro…Schland, NPD/DVU, Büsorgte, violette Spiris, Tierrechtsler, usw. usf.). Dafür ist es wichtig linke und alternative Strukturen zu stärken, selbst wenn das mit dem sprichwörtlichen abgeben der eigenen Stimme verbunden ist. Die eigentliche Arbeit nimmt uns keine_r ab. Alles muß Mensch selber machen. Antifaschismus und alles andere auch ist eben nicht nur „Handarbeit“ und „Kopfarbeit“. Die eigene Meinung bleibt davon schließlich unberührt. Auf den Wahlzetteln entdeckt haben wir jedenfalls schon mindestens zwei die mal ein Kreuzchen wert sein könnten und trotzdem so gut wie Ungültigwählen oder in manchen Augen auch Nichtwählen sind. Es wird also weder gewonnen noch zerronnen, bloß ein kleines Signal gesetzt und sich gegenseitig vielleicht mal etwas mut gemacht. Und eine davon ist immerhin ne echte „Partei“, die andere sympatischerweise (nicht) „nur“ – schon mehr als nur – ne „Liste“. Das Wählen und all das damit verbundene Zaudern oder hin und her irren, ist übrigens ein typisches „Luxusproblem“ unter demokratisch organisierter kapitalistischer Herrschaft (wie „Brot und Spiele“, Fußball, Alkohol, Prostitution usw.).
Denn viele Menschen die schon lange oder erst seit kurzem hier leben (können) sowie viele Jugendliche und entmündigte Menschen haben hier immer noch kein Wahlrecht.
Das enthebt diese und andere Wahlen in Schland und anderswo, aber immer noch nicht von der generellen Problematik des falschen Systems, wie der parlamentarischen Demokratie, im Kapitalismus(1) usw., an sich. (1 die es notwendigerweise nur im Kapitalismus gibt)
Also, wenn schon denn schon. Luxus für alle.
Und viel Spaß mit dem Wahlquaak.
Stimme erheben, nicht abgeben.

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Oder siehe auch mal:
- http://www.graswurzel.net/210/konsens.shtml
- http://www.graswurzel.net/271/kw-oligarchie.shtml
- http://www.graswurzel.net/archiv/antiparlamentarismus.shtml
- http://www.graswurzel.net/382/wahl.shtml
- http://www.graswurzel.net/271/keinewahl.shtml