Rinks oder Lechts oder besser Keins davon?

Empfehlung

Zur Diskussion über die Begriffe von „links“ oder „anarchistisch“ sein – oder das „Linke“ oder die „Anarchie“ zu kennen zu meinen oder überhaupt einen Anflug von einem Begriff davon zu haben… – dokumentieren wir hiermit, die:

Broschüre der Anarchistischen Gruppe (AG) Mannheim

Ist der Anarchismus (noch) links? (PDF)

http://anarchie-mannheim.de/index.php
http://anarchie-mannheim.de/archiv.php
http://anarchie-mannheim.de/literatur.htm

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Vgl. dazu auch z.B. Texte von Murray Bookchin, in englischer Sprache:
http://social-ecology.org/wp/1998/03/whither-anarchism-a-reply-to-recent-anarchist-critics/
http://social-ecology.org/wp/1995/01/social-anarchism-or-lifestyle-anarchism-an-unbridgeable-chasm/
http://social-ecology.org/wp/1994/01/to-remember-spain-the-anarchist-and-syndicalist-revolution-of-1936/

Zu Dummheiten der Veganszene et. al.

Empfehlungen, Tipps & Termine:

… „Am Veganismus ist nur seine Übertreibung wahr“…
Fahim Amir, in: Konkret 10/2018

„»Bei Tieren wird die Linke rechts«
Interview mit dem Wiener Philosophen und Künstler Fahim Amir über die Forderung eines Zooperaismus und einer Autonomie des Animalen“
https://konkret-magazin.de/hefte/id-2018/heft-102018.html

Fahim Amir: Schwein und Zeit. Tiere Politik, Revolte. Nautilus Verlag, Hamburg 2018, 208 Seiten, 16,-EUR.

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„30.11. Oberhausen, 19 Uhr, Druckluft, Am Förderturm 27: »Tierliebe und Menschenhass «; Vortrag von Mira Landwehr“
https://konkret-magazin.de/termine.491.html

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So, what’s next?
We would like to enjoy a fresh milk with fine vodka for that :)

09.11.2018: Erinnern heißt handeln! Berlin

keinvergebenkeinvergessenbanner09.11.2018

Am 9.11.2018 in Berlin: Für ein würdiges Gedenken, kein Vergeben, kein Vergessen, Gedenken heißt handeln! Gegen Geschichtsrevisionismus, Holocaustleugnung und Shoarelativierung, Nazis aus dem Weltall beamen. Gegenproteste, Mahnwachen, Demonstrationen gegen Neonazis und ihren Stumpfsinn, in ganz Berlin – Mitte, Moabit bis Xhoin und anderswo…

Mehr siehe:
http://9november.blogsport.eu/
https://berlin.vvn-bda.de/2018/10/auch-nach-80-jahren-kein-vergessen-kein-vergeben/
https://www.facebook.com/9.november.gedenken/
https://www.facebook.com/events/1945680615517151/
https://berlin-gegen-nazis.de/update-2-freitag-09-11-2018-18-30-uhr-berlin-mitte-proteste-gegen-den-rechtsextremen-aufmarsch-in-mitte/
https://berlin-gegen-nazis.de/freitag-09-11-2018-berlin-gedenkveranstaltungen-in-erinnerung-an-den-80-jahrestag-der-pogromnacht-von-1938/
https://berlin-gegen-nazis.de/aktionen/
https://berlin-gegen-nazis.de
https://www.mbr-berlin.de/aktuelles/rechtsextremer-aufmarsch-am-9-november/
https://www.mbr-berlin.de/
https://facebook.com/MbrBerlin/
https://www.facebook.com/events/257614211606173/
https://facebook.com/reclaimclubculture/
http://stressfaktor.squat.net/termine.php?day=2018-11-09

esistgeschehenundfolglichkanneswiedergeschehen09.11.2018berlinmahnwachedemonstration

Nie wieder Schland!

Daneben vom Stapel gelassen

„09.11.2018 11:40

Vor 100 Jahren, mit dem Ende des Ersten Weltkriegs, haben Arbeiterinnen, Arbeiter und Soldaten in Deutschland einen gesellschaftlichen Umsturz gewagt. Vor allem die SPD hat dafür gesorgt, dass daraus nichts wurde. konkret sprach mit Klaus Gietinger, Regisseur und Autor der Bücher Die Leiche im Landwehrkanal und November 1918 (Nautilus-Verlag), über die Gründe für das Scheiterns der Novemberrevolution.“

https://konkret-magazin.de/aktuelles/aus-aktuellem-anlass/aus-aktuellem-anlass-beitrag/items/das-hat-die-arbeiterbewegung-traumatisiert.html

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Empfehlung: Konkret 11/2018; „Die Unvollendete – 100 Jahre Novemberrevolution
https://konkret-magazin.de/system/html/titel1118-d4e227af.jpg

„Blutbad der Demokratie
Vor 100 Jahren wurde in Deutschland eine Revolution niedergeschlagen, die es nie gegeben hat. Von Georg Fülberth“
https://konkret-magazin.de/hefte/id-2018/heft-112018.html

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Zur Rolle der „Sozis“ (SPD) usw. in der Seilwinde der sog. „Sozialdemokratie“ hat Lowerclassmag heute (09.11.2018) was nettes – von Kristian Stemmler – gepostet, auf das hier gern weiter verwiesen wird und an das, neben den Novemberpogromen von vor 80 Jahren (1938), garnicht oft genug erinnert werden kann, insbesondere nach 100 Jahren (1918):

„Novemberrevolution und Sozialdemokratie

Vor 100 Jahren meuterten Kieler Matrosen, begann die Novemberrevolution und mit ihr der Verrat der Sozialdemokratie.

Es ist ein Treppenwitz der Geschichte, dass die Sozialdemokratie gerade in diesem Moment ihr ganzes Elend und ihre Bedeutungslosigkeit beweist, in aktuellen Umfragen auf Werte um die 15 Prozent absinkt – bundesweit! Das nämlich genau 100 Jahre, nachdem sie die Revolution der Matrosen und Arbeiter verraten hat. Am 5. November 1918 wehte über dem Kieler Rathaus die rote Fahne, die Matrosen- und Soldatenräte hatten die Macht über die Hafenstadt übernommen. In der Nacht zum 6. November folgte das große Hamburg, der Aufstand erfasste auch viele kleinere Städte und die Reichshauptstadt Berlin, leider nur für kurze Zeit.
Bekanntlich brach der Aufstand relativ schnell zusammen, was nicht zuletzt der SPD zu verdanken war, die bereits mit der Bewilligung der Kriegskredite zum Beginn des Ersten Weltkriegs der Arbeiterklasse in den Rücken gefallen war. Eine im Auftrag des NDR erstellte Dokumentation, die in den vergangenen Tagen in mehren dritten Programmen zu sehen war, beleuchtet in wünschenswerter Deutlichkeit die Rolle des Sozialdemokraten Gustav Noske.

[…]“

Autor: Kristian Stemmler
Quelle: http://lowerclassmag.com/2018/11/novemberrevolution-und-sozialdemokratie/

www.lowerclassmag.com

… dazu heute wieder passend, eine alte Demoparole: „Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten! Wer war mit dabei? Die grüne Partei! Wer verrät uns immerzu? FDP und CDU!“ …

Mehr von dem netten Menschen siehe: https://buchholzblog.wordpress.com/tag/kristian-stemmler/

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Zur Geschichte der Novemberrevolution in Berlin siehe z.B.: http://www.abendblatt-berlin.de/2018/11/11/100-jahre-revolution/
https://100jahrerevolution.berlin/

DLF Mikrokosmos 048 Bücherkampf und Wortgefechte

„Im Herbst 2017 hatten rechte Verleger und Autoren in turbulenten Szenen die Frankfurter Buchmesse als Bühne gekapert. Wie reagierte die Verlags-Branche ein Jahr später darauf? Hat es die „Neue Rechte“ geschafft, den Diskurs zu „infizieren“, wie sie es in ihren strategischen Schriften selbst fordert?

Von Manuel Gogos

Erst waren da lautstarker Protest und Debatten. Dann kam es auch zu Handgreiflichkeiten und Tumult. Der AfD-Landtagsabgeordnete Björn Höcke war 2017 bei einer Veranstaltung des rechten Antaios Verlags auf der Frankfurter Buchmesse aufgetreten. Das provozierte Gegendemonstrationen. Am Ende mussten Sicherheitskräfte die beiden Seiten voneinander trennen. Mitten auf der Frankfurter Buchmesse schien es wieder ums Ganze zu gehen: Meinungsfreiheit, Menschenrechte, Demokratie. 2018 sollte nun alles anders werden.

Timo Reinfrank ist Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung. Die Stiftung setzt sich seit Ende der 1990 Jahre für eine demokratische Zivilgesellschaft und gegen Rassismus und Antisemitismus ein. Reinfrank erinnert sich: „Es war eine sehr unangenehme Situation, direkt gegenüber von einem Stand von solchen organisierten und zum Teil auch gewaltbereiten Rechtsextremen zu stehen. Das war für uns so eine Situation permanenter Bedrohung. Und die haben auch immer den Konflikt, die Eskalation gesucht, nicht zuletzt, weil sie darüber Aufmerksamkeit bekommen.“ Deswegen freut er sich, dass die Buchmesse sich dieses Jahr für ein neues Sicherheitskonzept entschieden hatte.

Ab in die Sackgasse?

Um weiterhin Meinungsfreiheit zu gewährleisten, erlaubten die Messeveranstalter zwar auch 2018 wieder rechten Verlagen die Teilnahme. Aus Sicherheitsgründen wurden sie aber gebündelt und am Ende eines Ganges in Halle 4.1 platziert.

Dieter Stein, Chef-Redakteur der rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“, fühlt sich auf‘s Abstellgleis geschoben. Die ganze Aufregung um die rechten Verlage kann er nicht verstehen: „Wir haben 7300 Aussteller auf der Buchmesse. Selbstverständlich muss die Messe aushalten, dass sie Austeller aus Diktaturen hat, dass wir fundamentalistisch-religiöse Verlage haben. Es gibt auch eine große Zahl linksradikaler Verlage und es ist doch ein Witz, wenn die Messe eine Handvoll rechter Verlage nicht erträgt.“

Solidarität und Hass

Am Stand der „Jungen Freiheit“ wurde das Buch „Kulturbruch 68“ von Karl Heinz Weißmann vorgestellt. Die Rede vom „Zivilisationsbruch Auschwitz“ (Adorno) wird darin aufgegriffen und auf die Generation der 1968er übertragen – ‘68 als die große Katastrophe der deutschen Nachkriegszeit. Gretchen Dutschke, die Witwe des Studentenführers Rudi Dutsche, widerspricht dieser Deutung vehement. In ihrem Buch „1968. Worauf wir stolz sein dürfen“ beschreibt sie die 68er-Bewegung als Ausbruch aus der „Unfähigkeit zu Trauern“ (Mitscherlich) und als Wendepunkt für die deutsche Gesellschaft. Auf die Umdeutung der Studentenbewegung durch die Neue Rechte angesprochen, antwortet Dutschke: „Das macht mich ein bisschen sauer. Aber es ist auch so dumm, was die sagen. Beängstigender finde ich diese Nazi-Kulturen, die entstehen, diese Hass-Kultur. Da müssen wir gegen stehen und demonstrieren.“

Zwar hatte der neurechte Antaios Verlag für dieses Jahr seine Teilnahme an der Buchmesse abgesagt. Verleger Götz Kubitschek verbreitete zur Buchmesse dann aber das Gerücht, der Verlag sei an einen Zahnarzt aus dem Badischen verkauft worden. Am Ende erwies sich dessen Loci Verlag aber als bloße Tarnung, mit deren Hilfe sich der Antaios Verlag und sein Verleger eben doch auf die Messe „eingeschlichen“ hatten.

Über Rechte reden

Auf den Buchmesse-Podien des vergangenen Jahres wurde noch heiß diskutiert, wie mit Rechten zu reden sei. Dieses Jahr luden das Satire-Magazin „Titanic“ und die Satire-Partei „Die Partei“ unter dem Motto „Über Rechte reden“ ein. „Erleben Sie eine Gala der reißerischen Extraklasse. Eine Sternstunde des diskreditierenden Wortes. Ein Besuch im Braun-Bär-Streichelzoo, bei dem jeder Nazi genau die Fake-News aufgebunden bekommt, die er verdient“, hieß es dort zur Begrüßung.

Die Abendgala findet unter dem Motto „Über Rechte reden“ statt

Und Martin Sonneborn, EU-Abgeordneter von „Die Partei“, versuchte als Hitler-Attentäter Stauffenberg, mit Augenklappe und Uniform ausstaffiert, die diesjährige Buchmessen-Lesung Björn Höckes zu stören. Zwar schaffte er es nur bis vor die verschlossenen Türen der Veranstaltung, doch die Aufmerksamkeit war ihm gewiss.

Radikalität und ihre Folgen

Das Gespräch mit der Kulturphilosophin Mirjam Schaub im Anschluss an die Reportage reflektiert Fragen rund um die Radikalisierung in Philosophie, Politik und Kunst. Ist Radikalität per se schlecht oder kann sie auch Kreativität fördern? Angesprochen auf die Taktiken der Neuen Rechten, Aufmerksamkeit zu generieren, antwortet Schaub:

„Es ist erschreckend zu sehen, dass sich aktuell rechte Ideologien schamlos aus dem Arsenal von Protestformen bedienen, die eigentlich in der Linken entwickelt worden sind. Die Linke sieht dem wie hypnotisiert zu, was sollen Linke jetzt tun? Fackelmärsche machen, sich Uniformen anziehen und im Gleichschritt marschieren, um wieder auf sich aufmerksam zu machen?!““

Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/mikrokosmos-048-buecherkampf-und-wortgefechte.3381.de.html?dram:article_id=427909

… Mikroskopierter Makrokosmos …

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Mehr von Mirjam Schaub:
https://buch-findr.de/autoren/schaub-mirjam/
https://www.pocketstory.com/hohe-luft/leibniz-ist-definitiv-mehr-pop-als-heidegger

Teilbare Meinungen

Über die sog. #unteilbar Demo am 13.10.2018 in Berlin

Eine Demo für eine „offene Gesellschaft“ in Schland? Was auch immer das dann sein soll…

Mit Aufmerksamkeit haben wir die „Disko“ in der linken Wochenzeitung Jungle World verfolgt und genossen.

Siehe: https://jungle.world/artikel/2018/41/unteilbar-oder-gespalten

„11.10.2018
Sollte man »für eine offene und freie Gesellschaft« auf die Straße gehen, obwohl auch Islamisten dazu aufrufen?
#Unteilbar oder gespalten?
Ein breites Bündnis ruft unter dem Hashtag #unteilbar für den 13. Oktober zur Demonstration in Berlin auf. Das Bündnis, dem sich linke Gruppen sowie Künstler und Prominente angeschlossen haben, wird kritisiert, weil auch Vereine mit Verbindungen zum Islamismus unter den Unterzeichnern sind. Soll man die Demonstration deshalb boykottieren? Zwei Positionen.
Disko Von
Marcus Latton , Daniel Steinmaier und Carl Melchers“

Vgl.: https://jungle.world/artikel/2018/41/unteilbar-oder-gespalten

„Toleranzfestival mit den Muslimbrüdern
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Die #unteilbar-Kampagne paktiert mit Islamisten und Antisemiten. Wer es mit dem Kampf gegen rechts ernst meint, kann dieser Querfront nur eine Absage erteilen.

Mangelnde Ambitionen kann man den Organisatoren der #unteilbar-Kampagne nicht vorwerfen. Im Aufruf zum Protestmarsch am 13. Oktober in Berlin geht es ums Ganze: gegen Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Überwachungsstaat. Für das Recht auf Asyl, für Umverteilung. Und für ­Solidarität. Die Organisatoren von #unteilbar haben an alle gedacht. Deshalb ist die Liste der Unterzeichner ungewöhnlich lang. Unter ihnen befinden sich Amnesty International, ­Gewerkschaften, Kirchen und Flüchtlingshelfer. Berliner Clubs wie das SO36 sind dabei, die Fernsehköchin Sarah Wiener, Jan Böhmermann – der Volker Pispers für Millenials – und der Volker Pispers für alle anderen: Volker Pispers.

Dass Antisemitismus und Homophobie zur Ideologie der Muslim­brüder gehören, stört die Organisatoren von #unteilbar offenbar nicht.

Das Bündnis ruft auch zum Kampf gegen »antimuslimischen Rassismus« auf. Dieser neulinke Kampfbegriff rassifiziert die islamische Weltanschauung und verschafft autochthonen Salafisten wie Pierre Vogel den Opferstatus. Als schlichten Kartoffeln wäre dieser ihnen verwehrt geblieben. Die Freunde des Kalifats definieren die muslimische Weltgemeinde, die Ummah, als das, was die Volksfront gegen rechts sein will: unteilbar. Beiden wären Spaltung und Zwietracht zu wünschen.

Rassismus und Islamophobie – wenn es dagegen geht, zeigen sich Islamisten aus strategischen Gründen gerne auf der Seite der freien Gesellschaft, die sie bekämpfen. Europäische Linke nehmen diese Unterstützung aus strategischen Gründen dankend an. Anders lässt sich nicht erklären, dass Vereine mit Verbindungen zum Islamismus zu den Erstunterzeichnern des #unteilbar-Aufrufs zählen, der Zentralrat der Muslime etwa. Zu dessen Mitgliedern gehören unter anderem die Islamische Gemeinde Deutschlands (IGD), der deutsche Ableger der Muslimbruderschaft, und das Islamische Zentrum Hamburg (IZH), das zum Netzwerk der iranischen Mullah-Diktatur gerechnet wird. Auch dem Berliner Verein Inssan wird eine Nähe zu den Muslimbrüdern nachgesagt. Dass Antisemitismus und ­Homophobie zur Ideologie der Muslimbrüder gehören, stört die Organisatoren von #unteilbar offenbar nicht.

Kaum weniger kritikwürdig sind andere Unterzeichner des Aufrufs. Die ­katholische Organisation Pax Christi schiffte 2009 auf einer antiisraelischen Butterfahrt mit der »Mavi Marmara« nach Gaza. Um die Initiative »Friedensmarsch für EINE Gesellschaft« versammeln sich Personen wie Bekir Yilmaz, der Präsident der türkischen Gemeinde zu Berlin. Nach der Anerkennung des Genozids an den Armeniern durch den Bundestag veröffentlichte er eine Liste mit »Haustürken«. Für Yilmaz sind das jene Abgeordneten mit türkischem Familienhintergrund, die für die Resolution gestimmt haben.

#Unteilbar inszeniert sich als Sammelbecken aller Anständigen gegen Rechtspopulismus und Ungerechtigkeit. Tatsächlich wirkt das Bündnis wie die schlechte Kopie einer Bundesregierung, die Deutschland als moralische Supermacht mit Geschichtsbewusstsein darstellt und trotzdem Antisemiten wie Islamisten als Dialogpartner begreift statt als politische Gegner. Eine Kampagne, die auf einen Minimalkonsens setzt, erzeugt zwangsläufig einen weiten Unterstützerkreis mit kruden Gruppen. Und doch sollte die Bereitschaft, sich von rechtsextremen Organisationen wie der Muslimbruderschaft und den ihnen angegliederten Vereinen zu distanzieren, kein Problem darstellen. Für #unteilbar gilt das nicht. Offenbar genießen Organisationen, die das Wort »Islam« enthalten, in Zeiten realer antimuslimischer Bigotterie bei weiten Teilen der Linken einen Vertrauensvorschuss.

Angesichts einer ungeniert deutschnational und autoritär auftretenden AfD, rassistischer Bürgermobs in Orten wie Chemnitz und der wachsenden Prekarisierung weiter Bevölkerungsteile wäre Opposition in der Tat not­wendig. Doch eine Bewegung, die den Rechtsextremismus mit islamischen Antlitz nicht nur ignoriert, sondern mit ihm kollaboriert, hat den Antifaschismus hinter sich gelassen.

So muss sich nicht schämen, wer am Wochenende besseres zu tun hat als mit einer unteilbaren Querfront zum Marsch gegen alles Schlechte anzutreten.

Marcus Latton

Wir sind die Gesellschaft

Auch beim Antifaschismus gilt es manchmal, strategische Prioritäten zu setzen. Abzuwarten und die Füße hochzulegen, gehört nicht dazu.

Das waren noch Zeiten, als man sich einbilden konnte, die wichtigste Aufgabe der emanzipatorischen Linken sei es, sich in aller Ruhe und mit sattem Distinktionsgewinn am linken Multikulturalismus abzuarbeiten, an den Islamisten und den Islamverstehern, den Israel-Hassern und Antiamerikanern, den regressiven Globalisierungsgegnern, zu kurz denkenden Kapitalismuskritikern und anderen linken Antisemiten. Die berüchtigten zehn bis 18 Prozent der wahlberechtigten Deutschen mit geschlossenem extrem rechtem Weltbild hatten noch keine Partei gefunden, der sie sich an die Brust werfen konnten, Merkel hatte die Rechte in der CDU zuverlässig margi­nalisiert, der NSU tötete abseits öffentlicher Kenntnisnahme.

Aber schon als der sogenannte NSU-Komplex bekannt wurde und aller­spätestens seit dem rasanten Aufstieg der AfD samt ihrem außerparlamen­tarischen Arm Pegida, hätte der emanzipatorischen Linken etwas dämmern müssen: Der regressive Irrsinn von Teilen der Linken mag ja gefährlich sein. Gegenwärtig stellt er aber ein wesentlich geringeres Problem dar als die mittlerweile ganz und gar nicht mehr im Verborgenen operierende Rechte. Die AfD, die vor fünf Jahren bei Wahlen und Umfragen noch unter fünf Prozent lag, sitzt mit 92 Abgeordneten im Bundestag, dominiert die öffentliche Debatte, sie ist Umfragen zufolge stärkste Partei im Osten und bundesweit zweitstärkste Kraft, und nicht, weil sie sich bürgerlich geben würde – sondern, weil sie immer völkischer wird.

Wer angesichts der gegenwärtigen Situation dem strauchelnden und ­defensiv agierenden Widerstand gegen die rechte Volksbewegung wegen ein paar Unterschriften Spaltung wünscht, wo kaum Einheit existiert, hat sich ­ohnehin mit dem Sieg der Rechten vielleicht schon abgefunden.

Rechte Parteien und Bewegungen sind weltweit auf dem Vormarsch. In Deutschland sind sie auf lokaler Ebene bestens verwurzelt, zählen neben Hooligans und rechten Schlägern Lehrer, Richter, Unternehmer, Journalisten, Staatsanwälte, hochrangige Polizisten und Verfassungsschützer zu ihren ­Unterstützern. Längst können sie sich damit brüsten, das Bundesinnen­ministerium mache ihre Politik.

An den Kritikern der für den 13. Oktober geplanten Großdemonstration des #unteilbar-Bündnisses, die sich derzeit daran stören, dass unter den fast 8 000 Unterzeichnenden auch eine Handvoll suspekter Vereine und Individuen sind, scheinen diese jüngsten Entwicklungen weitgehend vorübergegangen zu sein. Hinsichtlich einiger randständiger islamistischer Vorfeldorganisationen, die den Demonstra­tionsaufruf unterzeichnet haben, tun sie so, als stünden diese kurz davor, die linksliberale Zivilgesellschaft zu islamisieren.

Wer angesichts der gegenwärtigen Situation dem strauchelnden und ­defensiv agierenden Widerstand gegen die rechte Volksbewegung wegen ein paar Unterschriften Spaltung wünscht, wo kaum Einheit existiert, hat sich ­ohnehin mit dem Sieg der Rechten vielleicht schon abgefunden. Es ist reichlich spät dafür, darauf zu warten, dass sich parallel zu #unteilbar noch ein weltanschaulich lupenreines antifaschistisches Bündnis bildet. Und wie dieses auszusehen hätte, darüber würde man sich ohnehin nie einig.

Die Gegenseite wartet jedenfalls nicht, sie schert sich einen Dreck um die ­Widersprüche in den eigenen Reihen und schafft fleißig Tatsachen. Angesichts einer Linken, die sich mehr Gedanken darüber macht, wer einen ­Aufruf gegen Rassismus, Sexismus, Antisemitismus und Homophobie ­unterzeichnen darf, als darüber, wie sie gegen die Rechten in die Offensive kommen kann, kann die Rechte süße Träume hegen von ihrem ersehnten »Tag der Abrechnung« mit dem »linksgrünversifften Pack«.

Dazu zählt der rechte Diskurs ­bekanntlich viele verschiedene gesellschaftliche Gruppen – und die haben heute ein legitimes Interesse, sich einer rechten Bewegung gemeinsam zu ­erwehren, die ihnen ihre unteilbaren Rechte als Menschen abspricht und ­dabei behauptet, den »Willen des Volkes« zu exekutieren.

Zumindest ist #unteilbar ein Versuch, dieses Interesse gemeinsam zu artikulieren – nach dem Motto: Ihr seid das Volk? Wir sind die Bevölkerung. Ihr träumt von der Volksgemeinschaft? Wir sind die Gesellschaft: vom Frauen-­Lesben-Treff bis zum islamischen Kulturverein, von der jüdischen Gemeinde bis zur antiimperialistischen Friedensinitiative.

Daran kann man selbstverständlich viel kritisieren. Nicht zuletzt agiert #unteilbar defensiv, wo es mehr Offensive bräuchte. Um möglichst viele zu erreichen, bleiben die politischen Ziele betont vage. Aber immerhin plädiert #unteilbar nicht einfach nur für »Toleranz« und dafür, »Vielfalt« auf die Straße zu bringen, sondern fordert von den Unterzeichnenden gegenseitige Solidarität und ein gemeinsames ­Bekenntnis gegen Rassismus, gegen Antisemitismus und gegen Homo­phobie. Das mögen bei manchen Gruppen pragmatische Lippenbekenntnisse sein. Dass sich die #unteilbar-Unterzeichnenden alle miteinander kritiklos solidarisieren, darf niemand hoffen und muss auch niemand fürchten.

Carl Melchers und Daniel Steinmaier“

Quelle: https://jungle.world/artikel/2018/41/unteilbar-oder-gespalten

Trotz aller berechtigten Kritik waren wir dann doch bei der Demo, allerdings nur kurz. Denn es war das übliche abgelatsch(t)e, Treffen von Reformist*innen, NGO, alten (ehem.) K-Gruppen, Politsekten u.v.m…
Alles in allem der Teil von sog. „Linken“ bis Bunthellbraunen, Grünbraunen, Orangebraunen, Dunkelrotbraunen, mit denen wir kein Teil von irgendetwas sein wollen.

Warum? Ganz einfach. Darum. Wir wollen kein besserer Teil von „Deutschland“ sein. Wir wollen die Abschaffung der deutschen Nation und etwas ganz anderes und noch viel mehr.

Mehr Klarheit vor Einheit!



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