Hölle(r) Hölle-r Höller

VORSICHT ernstgemeinte SATIRE

Frühsport. Kleine Fingerübung. Weil, viel zu oft kursiert so ein Blödsinn durch das WWW.

Zynische Textanalyse, sarkastische, psychologische Interpretation und keine ernsthafte politische Diskursanalyse zu einem Text von einem „Hannes Höller“, der in einer Chatgruppe im Internet frei herumgeschickt wurde (der Text von „Höller“ (Zitat) ist soweit bekannt unverändert und kursiv dargestellt, besondere Textstellen sind unterstrichen):

„Warnung der WHO :)
Das erzeugt Aufmerksamkeit. Der Smiley deutet etwas humorvolles an.

„🍀Virennachweis mit Ansteckung erstmals erfolgreich belegt – neue Virus-Epidemie noch ansteckender als Ebola – und unheilbar!“
Es soll anscheinend Spannung aufgebaut werden.

„Der Erreger einer bisher nur vereinzelt vorkommenden Krankheit scheint jetzt mutiert zu sein.“
Noch mehr Spannung soll erzeugt werden.

„Ausgehend von mehreren Ländern, darunter auch Deutschland, verbreitet er sich weltweit und schneller als Ebola.“
Eine Wiederholung.

„Die Aufwach-Grippe (A1H8), wie der systembedrohende Virus von führenden Experten der WHO genannt wird, führt schlagartig zu einem klaren Verstand im Hier & Jetzt.“
Ein erster Hinweis auf das was nun folgen soll wird gegeben.

„Erst fängt es harmlos mit dem ausschließlichen Verzehr von Biokost und der Einnahme von Kurkuma (reinigt die Zirbeldrüse) an.“
Ein zweiter Hinweis wird gegeben. Biokost etc. sollen also grundsätzlich besser sein, darauf deutet das „ausschließliche“ hin und „reinigen“. Wovon?

„Dann folgt meist eine ausgeprägte Abneigung gegenüber Massenmedien.“
„Massenmedien“ seien also per se schlecht? Welche Medien genau gemeint sind wird verschwiegen. Es sind dutzende verschiedene Definitionen und Definitionsmöglichkeiten von Massenmedien im Umlauf. Möglich wäre auch sog. „Mainstream-Medien“ zu benennen oder „Medien“ ganz im allgemeinen. Sind damit z.B. nur „öffentlich rechtliche“ gemeint oder auch „private“? Ab wann ist ein Medium ein Massenmedium? Ab wieviel erreichten Personen? Gilt das nur für Radio, TV, Zeitung oder allgemein für alle „Medien“ im Internet z.B.? Ist damit die Presse oder der Journalismus ganz allgemein gemeint oder noch allgemeiner Medien im Sinne z.B. von Speichermedien oder Multimedia? Hmm… Aus dem Kontext wird sich möglicherweise mehr ergeben…

„Schließlich gehen die Symptome über in ein gesteigertes Einheitsbewusstsein, eine vollständige Verbindung zur eigenen Seele und eine damit einhergehende, bisher nicht gekannte Angstfreiheit.“
Oha! Das klingt ja mal abgefahren, esoterisch, okkult.
Ein sog. „Einheitsbewusstsein“, was ist das denn? Sowas biologisches bis biologistisch/biozentrisches wie „Schwarmintelligenz“ oder sowas vielleicht? Oder vielleicht gar schon ein „kollektives Bewusstsein“ über Telepathie oder sowas? Und wie kann ein „Einheitsbewusstsein“ dann noch „ein gesteigertes“ sein oder werden? Wahnsinn.
Eine sog. „Verbindung zur eigenen Seele“… Wow. Sind nicht nach machen religiösen bzw. Glaubens-Vorstellungen alle Menschen, Tiere, Pflanzen und/oder sogar Dinge immer, permanent, mit ihrer „Seele“ verbunden? Wie kann so eine Verbindung dann noch vollständiger werden? Ist damit die eigene Wahrnehmung gemeint? Vielleicht vielleicht… Wer weiß, wer weiß… Es bleibt (absichtlich!) esoterisch und geheimnisvoll (= „Geheimlehre“ / keine Wissenschaft ;D )…
Dann folgt der Hammer: Die „Angstfreiheit“. Yo! Genial. Wäre das die Befreiung von der sog. „German Angst“, dann herzlich willkommen, why not… lol! Aber, hmm, nee, das ist wohl kaum damit gemeint… ;) Angst soll übrigens biologisch, evolutionär, gesehen eine sehr wichtige Rolle bei der Entwicklung des Homo Sapiens gespielt haben und es immer noch tun oder so…  Etwas Angst, z.B. vor dem Sprung in die Tiefe oder dem Gang ins Ungewisse und sowas soll ja ganz gesund sein. Ham wir mal irgendwo gehört…

„Schließlich endet die Krankheit in bedingungsloser Liebe und Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer und der Schöpfung.“
Uha! Nochmal „schließlich“? Nochmal wiederholung.
Aha, mhm, es ist immer von einer sog. „Krankheit“ die Rede. Aber angeblich soll es doch was Gutes sein oder wie ist das hier gemeint? Hmmm, heißt das also, die die es „Krankheit“ nennen, wären oder seien „die Bösen“ und „falsch“? Ein trickreicher Umkehrschluß. Eine Manipulationsmethode. Billigste Küchenpschikologie.
„Bedingungslose Liebe“? Was ist das denn? Igittigitt. Das ist doch das vollkommene Gegenteil von Freiwilligkeit oder z.B. auch von sog. „freier Liebe“… Was will der denn? Mißbrauch und Vergewaltigung und so? Nee danke! Pfui Deibel! Geh weg damit!
„Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer“? Wer hat den denn geschöpft?!? Ein Evolutionsleugner? Kreationist? Bullshit!

„Alle bisher bewährten Mittel wie Chemtrails, Fussball-WM, Massenimpfungen und Androhungen von globalen Kriegsszenarien usw. scheinen vollkommen wirkungslos zu sein.“
Na, da ist es ja! Die Selbstenttarnung als Vollidiot und Verschwörungsideologe hoch zehn!
„Chemtrails“ = eindeutige Verschwörungstheorie.
Fußball-WM damit in eine Kiste zu stecken, wie billig. Ok, Brot und Spiele für das blöde Volk. Vielleicht auch noch das blödgehaltene Volk, ok, wie doof. Wer sich zum Volk degradieren lässt, selber schuld.
„Massenimpfungen“, uiuiui, nicht gleich so viele. Alle auf einmal? = Verschwörungstheorie. (Wie z.B. der böse Staat, hinter dem böse Mächte stecken, wie z.B. „Illuminaten“, „Aliens“, „Echsenwesen“ oder so, würde gar heimlich alle Kinder irgendwie, irgendwo, irgendwann, bei der Geburt oder bei der Fruchtwasseruntersuchung oder so ganz fies impfen… Auaauaauaaua… Blablablablabla! Nadelangst? Ödipus? Bullshit!!!)

„Die dunkle Macht-Elite ist völlig ratlos!“ (SIC!)
Tatatataaaaaa! Da ist es ja! Die endgültige Entlarvung als moderner Antisemit. „dunkle Macht-Elite“, eieieiei… Spooky! Nun ist es also aus dem Sack. Das war der „Höhepunkt“?!? Ächz, stöhn, wie mühsam für so ein kurzes stulle Programm von „Volksverblödung“.

„Für diesen Virus wurde deshalb eine neue Epidemie-Warnstufe der WHO ausgerufen, da es das Leben auf diesem Planeten grundlegend verbessern kann!“
Mhm, alles was jetzt noch kommt ist eigentlich gääääähn laaaangweiiliiiiig. Der Abspann quasi. Macht das dauernde erwähnen von Viren usw. ihn eigentlich schon zum Scharlatan? Irgendwas wie ein Guru oder so wäre er wohl gern. Aber dafür reichts wohl noch nicht. Zu einfach.

„Selbst die erstmals weltweit an über sieben Milliarden Erdenbürger verschickte SMS-Warnung der WHO: Bleiben Sie in ihrer Matrix, dort sind sie sicher!” ist wirkungslos verpufft.“
Wiederholungsschleife nummer drei oder vier.

„Auch das bisher wirksamste Breitband-Antibiotikum (Übersetzung = gegen das Leben gerichtet), nämlich gehirnwaschender Einheitsbrei der Massenmedien, scheint erstmals wirkungslos zu sein!“
Seine Platte hatn Sprung oder so.

„Schlimmer noch: die Infizierten entwickeln schnell eine unumkehrbare und vollständige Resistenz gegenüber jedweder Fremdmanipulation.“
„Fremdmanipulation“… ROFL! Manipulieren kann immer nur wer wen anders. Ok, manche können das auch bei sich selbst. Naja, vielleicht kann es ja der Höller bei sich, gefällt ihm wohl gut. Autosugesstion.
Gegenfrage: Was ist denn ihr Text, Herr Höller, wenn nicht ein super billiger Manipulationsversuch? Oder vielleicht Instrumentalisierungsversuch? Sagen sies doch mal… Und keine Angst, das ist keine böse Zensur, wir sind nur der echten Wahrheit auf der Spur. Hahahaha.

„Wer einmal damit infiziert ist, kann offensichtlich nicht mehr zu seinem alten, fremdbestimmten Denkmuster zurückfinden.“
Xte Wiederholung. Des gleichen Mantras.

„Der Erreger konnte schnell gefunden, aber nicht isoliert werden.“
Es pflanzt sich also etwas fremdbestimmendes in ihren Kopf? Wie gruselig.

„Er wird von den Experten „Wahrheits-Virus” genannt und ist im höchsten Maße ansteckend.“
Noch gruseliger. Ist nicht genau das das Gegenteil von dem was sie doch eigentlich vorgeben zu wollen? Ist das nicht die totale Fremdbestimmung? Ist das nicht furchtbar?

„Meiden Sie unbedingt den Kontakt mit selbstständig denkenden und verantwortungsvoll handelnden Menschen.“
Nun, sie tuen es ja ganz offensichtlich schon lange sehr erfolgreich und das Ergebnis ist wohl leider eher, hm, bescheiden.

„Es besteht der Verdacht, dass das Virus auch durch Gedankenübertragung verbreitet werden kann.“
Höll ist ein Fan von Telepathie? Vielleicht auch von Ufos und so?

„Den letzten Untersuchungen zufolge ist jetzt auch der exakte Übertragungsweg lückenlos aufgedeckt worden: Der Krankheitsverlauf beginnt meistens mit dem Lesen dieses entschlüsselten Textes!“
Ach schade, doch nicht. Wäre auch zu lustig gewesen.

„Die Inkubationszeit beträgt wenige Millisekunden.“
Die an den Lachmuskeln.

„Herzlich Willkommen in der Freiheit – und wir werden jeden Tag immer mehr!“
Halluzination.

„Hannes Höller““
Gibt’s den echt? Das ist doch bestimmt nur so ein Pseudonym und so ein Geheimagent von so einer, pssst, sie wissen schon, ominösen bösen dunklen Macht… ach was, das ist ja gar kein Mensch… sondern ein „Virus“.

JuDit zu XR: Weltuntergangssekte

Joahne, das trifft doch ganz offensichtlich zu.
Besser als zu spotten, sollte sich mit den Inhalten und der Kritik ernsthaft auseinander gesetzt werden.

Worum gehts?

Dat da: „Jutta Ditfurth: „Extinction Rebellion ist eine Weltuntergangssekte““
Siehe: https://www.fr.de/politik/jutta-ditfurth-extinction-rebellion-eine-weltuntergangssekte-13116627.html

FR online vom 16.10.19 06:39:

„Klimawandel

Jutta Ditfurth: „Extinction Rebellion ist eine Weltuntergangssekte“

von Katja Thorwarth

Extinction Rebellion macht aktuell durch Straßenblockaden auf sich aufmerksam. Was steckt hinter der Gruppe? Die FR hat mit Jutta Ditfurth gesprochen, die XR sehr kritisch sieht.

Wo kommt die Bewegung Extinction Rebellion plötzlich her?
Vor vier Jahren gründeten ehemalige Occupy-Leute und andere in England die Kapitalgesellschaft „Compassionate Revolution Limited“. Diese Kapitalgesellschaft finanzierte erst die Kampagne Rising Up, und als die nicht erfolgreich war, gründeten sie Extinction Rebellion (XR). Diese Kapitalgesellschaft steht heute im Impressum von Extinction Rebellion Deutschland.

Eine angebliche, dezentrale Graswurzelbewegung in der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft?
Die beiden maßgeblichen Gründer sind Roger Hallam (53) und Gail Bradbrook (47). Hallam war Biobauer, Bradbrook kommt u.a. aus der Tierrechtsszene. Die beiden und ihre mindestens zwei Dutzend Unterstützer*innen aus Konzernen und Stiftungen zogen XR wie ein großes PR-Projekt auf: ein runenhaftes Logo, drei Grundprinzipien und sonst wenig Inhalt. Sie sind ja nicht einmal gegen Atomenergie.
Extinction Rebellion: Veranstaltung über antihumane „Tiefenökologie“

Was wollen sie?
Sie haben eine sehr plumpe politische Strategie: Angst machen, Emotionen schüren, esoterische Schulungen und symbolische Blockaden. Letztere so oft bis die Regierung einwilligt, „Bürgerversammlungen“ zu installieren. So der Plan. Diese Bürgerversammlungen sollen „repräsentativ“ zusammengesetzt sein und von einem nicht weiter beschriebenen „Kontrollgremium“ gesteuert werden. Ich sehe schon die Lobbyisten einlaufen. Die Aufgabe dieser Bürgerversammlung soll es sein, die Regierung „zu beraten“. Das ist alles und wird das Klima nicht retten. Gewissermaßen ist die Sackgasse schon miteingebaut.

Was unterscheidet sie von der Fridays for Future-Bewegung?
FFF ist kein Projekt aus der PR-Retorte, sondern eine Graswurzelbewegung – jedenfalls nach allem was ich bisher weiß. Bei aller Kritik an manchem: Die FFF-Gruppen sind vielfältig, wissbegierig, an Fakten interessiert. Sie machen zum Beispiel auch Veranstaltungen zu Themen wie Ökologie und Kapitalismus. XR hingegen lud in seinem Berliner Camp zu Veranstaltungen über die irrationale, antihumane „Tiefenökologie“ ein. Über die habe ich bereits 1992 in meinem Buch Feuer in die Herzen geschrieben. Diese Ideologie hat ihre Wurzeln in einem faschistischen Menschenbild und entwertet den Menschen.

Können Sie das konkretisieren?
Tiefenökologie, in den USA „Deep Ecology“, leugnet den Menschen als soziales Wesen. Für sie ist ein Mensch nicht mehr wert als ein Tier oder eine Pflanze. Fritjof Capra, einer ihrer Ideologen, sagt, ein vom Bewusstsein der Menschen losgelöster, mystischer „kosmischer Geist“ schaffe die Materie. Und nicht etwa ökonomische Interessen, sondern „falsche Werte“, von „uns allen“, produzieren radioaktive Energie, plünderten Rohstoffe, vergifteten Wasser und Luft. Wir hätten vor allem eine „Krise der Wahrnehmung“. Capra leugnet Herrschaftsstrukturen und somit den Unterschied zwischen denen, die entscheiden, und denjenigen, über die entschieden wird. Einzugreifen in konkrete gesellschaftliche Kämpfe, etwa in Gestalt ökologischer Initiativen gegen großtechnische Anlagen, liegt ihm so fern wie praktische Solidarität mit Streikenden. Ganz abscheulich und „übertrieben“ sei die „Rolle von Kampf und Konflikt“.
Extinction Rebellion: Endzeitszenarien von Weltuntergangssekten

Könnte man trotzdem sagen, sie setzen sich radikaler für das Klima ein? Ist eine Radikalisierung nicht notwendig, wenn man etwas erreichen will?
Ist es in Sachen Klimakatastrophe wirklich radikal, also an die Wurzel gehend, in Absprache mit der Polizei, symbolisch eine Kreuzung zu besetzen? Ist das nicht eher banal? Meine Güte, wie oft haben wir schon Straßen blockiert! Da waren die Aktionen in Gorleben um einiges klüger, wirklich radikal und eingebunden in eine echte politische ökologische Strategie. Und wie radikal ist es, wenn XR in London, Neuseeland und bald auch in Deutschland eine große Krake bei Aktionen herumträgt? Die Krake ist das klassische antisemitische Symbol für die „weltumspannende jüdische Weltverschwörung“. Sie war ein zentrales Bild des Judenhasses im NS-Blatt „Stürmer“. Sie lässt sich seit 1933 nicht mehr unbefangen umdeuten. Die jungen Aktivist*innen wissen das vermutlich nicht. Die Älteren bei XR müssten es wissen. Wer sich unter Millionen vom Aussterben bedrohter Tierarten ausgerechnet eine Krake aussucht, macht das nicht zufällig.

Sie sagen, die Bewegung habe etwas sektenähnliches. Wie kommen Sie zu diesem Vorwurf?
Hierarchie, Intransparenz, Gurus und esoterische Ideologie satt. Statt kritischer Aufklärung bieten sie Inszenierungen, bei denen drei Menschen mit Seil um den Hals am Galgen stehen, unter ihren Füßen schmelzendes Eis. Mich erinnerte das Bild an Erhängung von Zivilist*innen durch Wehrmacht und SD-Gruppen an der Ostfront. Überall finden sich bei Extinction Rebellion Todesdrohungen. Gail Bradbrook sagt: „Einige von uns müssen bereit sein, zu sterben.“ Sie erklärte kürzlich in einer Rede, die auf der Website von XR zu finden ist, wie sie durch esoterische Rituale und psychedelische Drogen auf die Idee kam, Extinction Rebellion zu gründen. Roger Hallam spricht von Selbstopferung und dass „Milliarden Menschen in sehr kurzer Zeit sterben werden“. Er verbreitet Angst indem er sagt, dass „unsere Kinder in den nächsten 10 bis 20 Jahren sterben werden“. Die Sprecher*innen von XR bleiben die Antwort nach den wissenschaftlichen Quellen für diese Aussagen schuldig, denn es gibt sie nicht. Das sind Endzeitszenarien von Weltuntergangssekten. Die Klimakatastrophe wird sehr viel komplizierter und widersprüchlicher verlaufen.

Lassen sich hier die Leute instrumentalisieren?
Eine interessante Frage ist ja, wer da wen instrumentalisiert. Die XR-Gurus jedenfalls emotionalisieren und instrumentalisieren vor allem junge Leute. Sie machen ihnen Angst vor ihrem baldigen Tod. Es gibt wohlmeinende Politikneulinge, die das alles nicht durchschauen aber insgesamt enorm viele Esoteriker*innen. In Deutschland fällt auf, welch ein instrumentelles Verhältnis Teile der Linken zu XR haben. Von „taz“ bis „krautreporter“ schauen viele nur auf die Oberfläche, auf die bunten Kostüme, die mystische Inszenierung. Die taz vergleicht XR mit der „französischen Résistance im Zweiten Weltkrieg“. Aber die war weder symbolisch noch esoterisch. Auch einige Linke aus Projekten wie „Aufstehen“ oder „Demokratie in Bewegung“ versuchen in XR-Ortsgruppen Einfluss zu bekommen. Jetzt sind auch Vertreter*innen der antisemitischen Montagsmahnwachen von 2014 bei XR angekommen. XR, diese Weltuntergangssekte, macht das Anliegen eines rationalen wirklich politischen ökologischen Widerstands gegen die Klimakatastrophe lächerlich und schadet sehr.

Zur Person
Die Politikerin und Sozialwissenschaftlerin Jutta Ditfurth ist Mitglied der Stadtverordnetenversammlung in Frankfurt am Main für ihre Partei ÖkolinX. Ihr neues Buch „Haltung und Widerstand“ stellt sie auf der Frankfurter Buchmesse vor.“

Quelle: https://www.fr.de/politik/jutta-ditfurth-extinction-rebellion-eine-weltuntergangssekte-13116627.html

Sie selbst dazu auf Twitter:

„THREAD Warnhinweis #ExtinctionRebellion

Ich rate davon ab, mit Extinction Rebellion zusammenzuarbeiten und an den Aktionen von Extinction Rebellion (XR) am 7.10. in Berlin teilzunehmen. Ich empfehle eindringlich, Kinder und Jugendliche darüber aufzuklären, dass sie
sich lieber an Aktionen von Fridays für Future beteiligen sollen (sofern diese nicht mit XR zusammenarbeiten), bei Ende Gelände und dem Widerstand im Hambacher Forst.

Die Basis meiner Einschätzung sind Texte und Reden von Mitgründer*innen und Vertreter*innen von XR in deutsch und englisch, Bücher, Flugblätter und Berichte aus XR-Gruppen.

Gründe (Auswahl):

1. XR ist keine »gewaltfreie Klimabewegung« sondern eine religiöse-gewaltfreie esoterische Sekte, welche an die Apokalypse der baldigen »Auslöschung der Menschheit« glaubt und »Selbstaufopferung« empfiehlt.

2. XR schürt Emotionen, die den Verstand vernebeln, wenn sie z.B. behaupten »Wir sind die letzte Generation der Menschheit vor der Auslöschung«.

3. XR bezieht sich ideologisch u.a. auf Ghandi. Der war keineswegs gewaltfrei. Vergewaltigte Frauen waren für ihn keine Menschen mehr. 1938 forderte er die Jüdinnen und Juden in Deutschland auf, sich »gewaltfrei« in die Messer ihrer Schlächter zu stürzen und kollektiv Selbstmord zu begehen. Auf keinen Fall dürften jüdische Menschen sich wehren.

4. XR ist keine Graswurzelbewegung, sondern ein hierarchisches Modell. Gegründet wurde XR in England. In Deutschland wurden viele Gruppen von Anleiter*innen aufgebaut, zum Teil in der Manier esoterischer Sekten.

5. XR kooperiert und wird auch finanziert von Kapitalfraktionen, die ein Interesse an einer manipulierbaren Klimabewegung haben, die bei der PR, der Vermarktung und der gesellschaftlichen Durchsetzung vermeintlich umweltfreundlicher Produktionslinien und politischer
Projekte nützlich ist.

6. XR will nicht aufklären sondern Stimmung schaffen. XR setzt auf Hyperemotionalisierung und ist intellektuellenfeindlich. Dafür wird gemeinsam geweint und meditiert.

7. XR zielt vor allem auf junge Leute und emotionalisiert sie. XR versucht
rauschhafte Ängste vor der Zukunft zu erzeugen und spricht von der Bereitschaft der »Selbstaufopferung«.

8. XR will möglichst viele Aktivist*innen ins Gefängnis bringen. XR übernimmt selbst nicht die Verantwortung für die Gefangenen. In Berlin wird die Telefonnummer
des Ermittlungsausschusses (EA) der linken Szene verbreitet, obgleich man die Linke bekämpft.

9. Alle dürfen bei XR mitmachen, auch »Rechte«. Co-Gründer Roger Hallam sagt außerdem: »Anders als klassische linke Bewegungen schließen wir niemanden aus, auch jemand, der ein bisschen sexistisch oder rassistisch denkt, kann bei uns mitmachen.«

10. XR ist nicht gegen Atomenergie. Alle Nachfragen werden mit dem Hinweis auf noch zu gründende »Bürgerversammlungen« beantwortet, an denen »jeder« teilnehmen könne und die dann in noch ungeklärter Weise die Regierungen beraten sollen.

11. XR arbeitet eng mit der Polizei zusammen. Für die morgigen Aktionen in Berlin hat XR Polizisten in die eigenen »XR-Deeskalationsgruppen« aufgenommen.

12. XR hat versucht, alle möglichen Teilnehmer*innen seiner seiner Aktionen in einer »Rebel Survey« nach der Bereitschaft zu politischer Radikalität, Mitgliedschaft in politischen Gruppen usw auszufragen. Nach heftiger Kritik wurden Teile der personalisierten Daten angeblich gelöscht.

13. XR hat einen absurden, staatsgläubigen Gewaltbegriff und ist auch damit gefährlich für linke politische Gruppen. In Hamburg hat sich XR z.B. öffentlich von einer Sitzblockade distanziert, weil nach einem harten Polizeieinsatz (»Schmerzgriffe«) jemand »Fuck the Police!« rief. Diese Beleidigung der Polizei, sagt XR, sei Gewalt.

14. XR wird niemals ein kritisches, rationales, linkes Projekt sein.

*ENDE*

Ich war müde, aber ich hoffe, der Text nützt Euch morgen und für die weitere Auseinandersetzung. Gutes Beobachten und Streiten! 🔥
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Ende der Unterhaltung“

Quelle: https://twitter.com/jutta_ditfurth/status/1180904831566921729

Mehr dazu Querbeet, Diskussion:
https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/jutta-ditfurth-zu-extinction-rebellion-irrationalismus-einer-endzeit-sekte-16422668.html
https://www.zeit.de/2019/42/extinction-rebellion-roger-hallam-aktivismus-umweltbewegung-radikalisierung
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/so-alt-wie-die-demokratie-selbst
https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/extinction-rebellion-analyse-der-klima-rebellen-a-1290401.html
https://taz.de/Debatte-um-Extinction-Rebellion/!5632122/
https://www.berlin.de/aktuelles/berlin/5930700-958092-jutta-ditfurth-bewertet-extinction-rebel.html

Wir stimmen JuDit zu 200% zu.

Für den Kommunismus. Kapitalismus abschaffen. Faschismus entwurzeln.

Over and out.

Wir können es nicht mehr hören…

Aber dem Kommentar in der Zeit online können wir nur beipflichten:

„AfD
Und nun wieder gaaanz viel zuhören

Es werden nach Wahlen unentwegt Gründe gefunden, warum Menschen für die AfD stimmen: Busse, Windräder, weiß der Teufel. Ein anderer ist viel naheliegender.

Ein Kommentar von David Hugendick
28. Oktober 2019, 15:21 Uhr 1.490 Kommentare

Es ist natürlich sehr menschenfreundlich, nach einer Wahl wie jener in Thüringen zunächst die guten Dinge zu sehen: Immerhin, so konnte man lesen, hätten 75 Prozent der Wähler für demokratische Parteien gestimmt. Und immerhin, auch das konnte man mitbekommen, wurde der AfD-Kandidat Björn Höcke so oft wie noch nie an einem Tag „Faschist“ genannt. Seitdem auch gerichtlich bestätigt wurde, dass man ihn als das bezeichnen darf, was er offensichtlich ja schon lange ist, wird es also getan. Schön, dies wäre nun geklärt.

Für die knapp 24 Prozent der Thüringer hingegen, die die AfD und damit Höcke gewählt haben, fehlen noch immer einigen die Worte. Und anstatt den naheliegenden Gedanken in Betracht zu ziehen, dass, wer einen Rechtsextremen wählt, möglicherweise selbst einer sein könnte, werden laufend außerpolitische Erklärungen herangezogen, die den Blick aufs Eigentliche verunklaren. Mal seien AfD-Wähler frustriert, weil ihre Kinder weggezogen seien; mal käme der Bus nach Unter- oder Oberdorla nur noch einmal am Tag; mal wollen sie keine Windräder; mal kämen sie bei dem nicht mehr mit, was in Berliner Trendbezirken besprochen würde; mal sei die Treuhand schuld. Und all dies türme sich eben zu diesen Frustrationshalden auf, unter denen erdrückt der Wähler oder die Wählerin aus Verzweiflung gar nicht mehr anders könne, als AfD zu wählen.

Nun ist es vielleicht im Einzelnen müßig zu klären, woher die mentalen Verwahrlosungen stammen, die einen dazu bringen, für eine offen rassistische und offen antidemokratische Partei zu stimmen, nur weil der Bus nicht kommt oder ein Windrad den freien Blick auf eine Kuhwiese trübt. In etlichen Kommentaren zur Thüringen-Wahl aber wurde eine offensichtliche Erklärung einfach verworfen, indem es dort hieß: Knapp 24 Prozent hätten für die AfD gestimmt, obwohl an ihrer Spitze ein Rechtsextremer steht, als sei dies ein Beweis für die dramatische Lage des Seelenhaushalts, aus der heraus sich diese 24 Prozent nicht anders zu helfen wüssten. Dass sie allein deshalb für Höcke stimmten, weil er ein Rechtsextremer ist, scheint den Kommentatoren wohl zu abwegig gewesen zu sein. Den einen womöglich aus unerschütterlicher Gutmütigkeit, den anderen womöglich aus kalkuliertem Opportunismus, der in der AfD-Wählerschaft bloß verirrte Menschlein sieht, die fürderhin noch potenzielle Wähler, Zuschauer oder Leser sein könnten. Wenn man selbst nur eine Idee hätte, welches Angebot man ihnen machen müsste.
Selbstbezichtigungen einer Demokratie

Seit einiger Zeit hat sich im Umgang mit der AfD und ihrer Klientel die sozialtherapeutische Vorstellung eingeschliffen, man müsse einfach „mehr zuhören“ und der Fall erledige sich von selbst. Kaum eine Floskel ist in den vergangenen Jahren so hyperinflationär strapaziert worden wie die vom „Reden“ und die vom „Zuhören“. Sie suggeriert nicht nur, hier gehe es vor allem um fehlgeleitetete Befindlichkeiten und um akutes Emotionsmanagement und weniger um manifeste Gesinnungen. Sie suggeriert auch, der große Zuspruch der AfD sei vor allem das Produkt eines zuvor verfehlten Kommunikationsprozesses der anderen Parteien und nicht etwa der eines geglückten der AfD selbst. Diese autorisiert Ressentiments, sie legitimiert einen Du-darfst-Rassismus, den offenbar viele schon mit sich herumgetragen haben könnten.

In der Vorstellung des heilenden, weil zuvor angeblich versagten Zuhörens steckt die Selbstbezichtigungsbereitschaft einer liberalen Demokratie, die sich lieber selbst die Schuld an der Existenz von Rassisten, Menschenfeinden und deren Duldungsbereiten gibt, statt gegen diese rhetorisch entschieden vorzugehen. Ein Verstehen bis zur Lächerlichkeit. Die Fetischisierung von Kommunikation als letzte hilflose Strategie. Als sei die Ausgrenzung von Antidemokraten so schlimm oder gar schlimmer, als es die Antidemokraten selbst sind. Als seien AfD-Wähler keine Subjekte, die selbst verantwortlich dafür sind, wo sie ihr Kreuz machen. Und als seien die eventuellen politischen Verfehlungen der einen eine Entschuldigung für die moralischen Verfehlungen der anderen.

Es kam, wie es kommen musste: Nachdem Michael Kretschmer bereits in Sachsen auf großer Zuhörreise war, kündigte auch Mike Mohring nach seiner Niederlage in Thüringen an, weiterhin ganz viel zuzuhören. Allerdings muss man sagen, dass die Positionen der AfD und ihrer Freunde schon seit Jahren ununterbrochen gehört und lebhaft diskutiert worden sind; und dass man sich an diese Partei mit einem guten Schuss medialer Geilheit in den Talkshows Woche für Woche herangesesselt hat. Gebracht hat dieses Verständnistheater im höheren Sinne übrigens nichts. Die AfD hat es bei den Landtagswahlen in Ostdeutschland in diesem Jahr immer auf mehr als 20 Prozent geschafft. Obwohl ihr unentwegt zugehört wurde. Vielleicht auch: weil.“

Quelle: https://www.zeit.de/kultur/2019-10/afd-thueringen-bjoern-hoecke-waehler-rechtsextreme-kommentar?utm_source=pocket-newtab

Die Steine rollen weiter

Weil Blogsport zuende geht rollen wir in neue Gefilde…

Warum?
Siehe hier: http://blogsport.de/2018/12/14/zum-ende-von-blogsport/
Und da: https://netzpolitik.org/2018/der-alternative-hoster-blogsport-de-macht-nach-13-jahren-dicht-wir-sind-erschoepft/

Den Link zum neuen Weblog geben wir dann in Bälde noch hier bekannt.
Bis denne!

Good GSP bad GSP

… it is not always what it seems to be …

Zwei aktuelle polemische, sarkastische bis zynische, aber doch umso wahrere Traktate und trotzdem echte „Klassiker“ (immer wieder neuaufgelegte evergreens, schöne alte knackende Schellack-Platten) aus den Federn des GSP-Verlags, die uns immerhin zu denken geben und die mal verdammt recht haben:

Offener Brief an die „Fridays for Future“-Bewegung

Liebe Protestgemeinde!
1.

Dass die Zustimmung, die euch in der deutschen Öffentlichkeit und aus der Politik entgegenschlägt, nichts wert ist, werdet ihr selber schon gemerkt haben. Ihr werdet beachtet – und eingemeindet. Von Leuten und Instanzen, die in einem ganz anderen als einem theoretischen Sinn ‚etwas zu sagen haben‘; die nämlich mit dem, was sie sagen, teils mehr, teils weniger Macht ausüben – und mit dem Gebrauch ihrer Macht für genau die Zustände sorgen, gegen die ihr protestiert. Eingemeindet in eine öffentliche Debatte, deren Irrelevanz für den praktischen Gang der Dinge ihr zur Genüge erfahrt.

Es ist nicht bloß die hohe Kunst der Heuchelei, mit der ihr da – mal wieder – Bekanntschaft schließen dürft. Bemerkens- und bedenkenswert an den vielen heuchlerischen Grußadressen an euren Protest sind die Titel, die Gesichtspunkte, die großen Werte, unter denen ihr mit euren Demonstrationen gut gefunden werdet. So großartige Leerformeln wie ‚die Zukunft‘, ‚unser Planet‘, ‚kein Planet B‘, ‚die Natur‘, ‚die Menschheit‘ etc. pp. sind nicht bloß dafür gut, sie sind auch einzig und allein dazu da, über alle wirklichen Interessen und Interessengegensätze hinweg eine ganz tiefe und eigentliche Einigkeit vorzuspiegeln: einen übergreifenden, irgendwie verbindlichen gemeinsamen guten Willen. Der wird euch bescheinigt, wenn man solchen Parolen wie „…weil ihr uns die Zukunft klaut!“ applaudiert. Und damit wird euch unter der Hand ein ganz mieses Tauschgeschäft angetragen: Großzügig wird anerkannt, dass ihr es doch gut meint – gut eben im Sinne eines höheren, unbezweifelbaren Werts –; dafür beanspruchen die, an und gegen die euer Protest sich richtet, ganz bescheiden die gleiche Anerkennung, nach dem Motto: „So gut wie ihr meinen wir es auch/schon lange/sowieso…!“ (Und sie könnten sogar anschließen: Wo habt ihr eure Parolen denn her – wenn nicht von uns: ‚Zukunft‘, ‚Menschheit‘ und der ganze Rest!)

Das kann man also aus dem positiven Echo auf euren Protest lernen: Die Ideale einer intakten Welt, für die ihr euch starkmacht, sind nichts wert, weil sie sich über die wirklichen Machtinteressen und die damit verbundenen Gemeinheiten vornehm erheben und eine Gemeinsamkeit im Guten beschwören, die es nicht gibt – und die eben so hoch und vornehm und erhaben ist, dass sie von allen Seiten, aus entgegengesetzten Positionen und von den feindlichsten Parteien beschworen werden kann. Und auch beschworen wird; denn darin liegt der Wert der höheren Werte.

Das gilt entsprechend für das andere Kompliment, das ihr euch einhandelt: Ihr wärt die besorgte Jugend – politisch engagiert und viel besser als ihr Ruf: Diese primitive Art der Vereinnahmung braucht man euch wohl nicht erst zu erklären! – und hättet mit der Forderung nach einer besseren Zukunft schon deswegen recht, weil ihr noch viel mehr davon vor euch habt als die Alten, denen ‚der Klimawandel‘ nichts ausmacht, weil sie mit einem Bein schon im Grab stehen. Man gibt euch recht, nicht weil ihr ein wichtiges Anliegen habt, das eure Sympathisanten und überhaupt die allermeisten Menschen aus begründetem Eigeninteresse zusammen mit euch durchkämpfen sollten, sondern weil man euch als besondere Gruppe mit einem eigenen Anspruch auf Würdigung und Respekt anerkennt. Als ‚Schüler und Studenten‘, als ‚die Jugend‘, womöglich als ‚Nachwuchs der Nation‘ lässt man euch, wohlwollend, protestieren: als speziellen gesellschaftlichen Stand, dem man – so wie allen anderen – spezielle Interessen konzediert. Auch das ist eine perfekte Abstraktion von der Sache, für die ihr euch – nehmen wir an – starkmachen wollt.
2.

Von welchen wirklich herrschenden Interessen und real existierenden Machtverhältnissen auf die Art abgesehen wird – sei es im Namen großer fiktiver Gemeinschaftsanliegen, sei es um eurer respektablen Identität als ‚die Jugend‘ willen –, das könnt ihr dem negativen Echo entnehmen, das euch und eurem Protest ja auch nicht zu knapp entgegenschallt. Natürlich strotzt das von reaktionärer Dummheit; aber wenn es bloß das wäre! Wenn die Dame von der AfD euren Protest für unbeachtlich erklärt, weil ihr noch nie eine Stromrechnung bezahlen musstet, oder wenn der junge Mann an der CDU-Spitze, gemeinsam mit den sozialdemokratischen Oberlehrern der Nation, euch ermahnt, erst einmal fleißig zu lernen, bevor ihr ‚auf die Straße‘ geht, dann könnt ihr merken, wie leicht der Ehrentitel ‚Jugend‘ – „Wir als Nachwuchs des Landes verdienen Gehör!“ – sich umdrehen lässt: Der ehrenwerte Stand, als der man beachtet werden will, ist zugleich nur ein Stand unter vielen, hat seine Grenzen und außerdem seine vergleichsweise schwachen Seiten, kann also bestenfalls als eine Stimme unter vielen zählen und verdient allenfalls eine sehr bedingte Anerkennung. Wenn ihr dann zu hören kriegt, dass es doch ‚auch‘ auf die Arbeitsplätze in der Kohle- und Autoindustrie ankommt, die durch konsequenteren Klimaschutz in Gefahr gerieten, und auf die Konkurrenz mit anderen – natürlich noch viel schmutzigeren – Ländern, in der die eigene Nation ohne rücksichtslose Industriepolitik ins Hintertreffen gerät, dann ist das eine weitere sehr aufschlussreiche Lektion. Nicht in dem Sinn, dass man vor solchen Hinweisen strammstehen und die eigenen Interessen – und die Argumente, wenn man welche hat – gleich relativieren müsste. Zur Kenntnis nehmen sollte man stattdessen, mit welchen machtvollen Interessen und mit welchen Machtverhältnissen man sich tatsächlich schon dann anlegt, wenn man es mit Einwänden gegen die fortschreitende Ruinierung ganz vieler natürlicher Lebensbedingungen auch nur ein bisschen ernster meint als die Prediger im Feuilleton. Dann bekommt man es nämlich nicht mit einer Unterlassung zu tun, mit einem mangelnden guten Willen der politisch und ökonomisch Verantwortlichen. Die machen selber deutlich, und zwar mit ihrem „Nein!“ zu eurem Protest wie mit ihrem „Ja, aber“, dass die Welt, für die sie ‚die Verantwortung tragen‘, über die sie also die Regie führen, etwas ganz anderes ist als ein Stück missbrauchte oder vernachlässigte Natur. Nämlich ein globaler Markt, auf dem es in mehrfachem Sinn ums Geld geht, eingerichtet und aufrechterhalten durch Staaten, die mit ihrer Gewalt – in Konkurrenz gegeneinander, deswegen manche mit überhaupt nicht umwelt- und klimafreundlichen Atomwaffen – für die dazu passende Ordnung Sorge tragen. Mit all den sachdienlichen Hinweisen aus berufenem Munde wird euch doch erklärt, welchen Stellenwert menschliche Interessen, und zwar jeglicher Art, in diesem System haben.
3.

Ob ihr mit eurem Protest überhaupt an dieses System rühren wollt, darauf passt die zuständige öffentliche Gewalt, da könnt ihr sicher sein, sorgfältig auf. Einstweilen müsst ihr noch keine schlimmere Zurechtweisung erleben als den Rückverweis in den Freitagsunterricht. Die nächste Eskalationsstufe lauert da aber schon, wird zum Teil bereits angekündigt – und von einigen von euch offenbar auch schon defensiv vorweggenommen: Wenn es mit dem Protestieren nicht aufhört, sondern, Gott bewahre, schlimmer wird, dann setzt es die Gewaltfrage. Das schöne freiheitliche Recht gibt genügend Gesichtspunkte her, um Proteste, die auch nur entfernt auf Durchsetzung eines Anliegens zielen, ganz praktisch, nämlich mit hoheitlich monopolisierter Gewalt darauf aufmerksam zu machen, dass die Durchsetzung, welcher Anliegen auch immer, ohne Wenn und Aber der öffentlichen Gewalt zu überlassen ist. Also der politischen Herrschaft, die den ganzen Laden so regelt und erhält und stabilisiert und gegen Anfechtungen schützt, wie er ist, und als das, was er ist: eine mehrstufige Konkurrenzschlacht um Macht und Geld.

Das ist freilich ein anderes Thema. Eines, das über die Sache mit dem Klima deutlich hinausgeht. Um das man als aufrechter Klimaschützer aber auch nicht ganz herumkommt. Außer man lässt sich vereinnahmen, von den Profis dieser Konkurrenz, die sich für ihre Sache so gerne mit ein bisschen jugendlichem Idealismus schmücken.
PS.

Inzwischen wird euch reihum ein nicht gerade geringer Erfolg bescheinigt: Dem Ausgang der Wahl des Europaparlaments sollt ihr einen entscheidenden Dreh verpasst haben. Unterstützung hattet ihr dabei von einem Millionen Follower schweren Exponenten der jungen Generation mit blauen Haaren, der im Namen des von euch angemahnten Fortschritts die Flaschen von CDU und Co schlechtgemacht hat. Über die YouTube-Trends hinaus hat das Einfluss auf die politische Stimmung kurz vor der Wahl genommen – sobald und insofern die angegriffenen Parteien sich dazu entschlossen haben, eine Reaktion für angebracht zu halten, und die seriöse Öffentlichkeit sich deshalb der Sache angenommen hat.

Das Echo, das ihr von Politik und Öffentlichkeit in der Nachbesprechung des Wahlergebnisses erntet, enthält noch eine letzte interessante Auskunft darüber, wozu euer Protest gut gewesen ist. Aus Sicht eurer Gratulanten hat sich euer Engagement für die gute Sache voll und ganz ausgezahlt: für die Parteien nämlich, für die es sich in Wählerstimmen niedergeschlagen und sich damit rückstandslos aufgelöst hat in einen Beitrag zur Ermächtigung von Politikern zur Wahrnehmung ihrer Kompetenzen. Alles und was auch immer genau euch aufregt und auf die Straße treibt – es gehört in die Hände von Politikern gelegt, die euren Protest zu einer kostenlosen und kopfstarken Wahlwerbung erklären und damit ihrer Konkurrenz aus CDU, SPD und Co, die mit ihnen in den Parlamenten und Regierungen sitzen, ein Schnippchen schlagen. Und diejenigen, die laut Mehrheitsmeinung von euch „abgestraft“ worden sind, wissen jetzt und posaunen es aus, dass sie auf das Etikett ‚Klimaschutz‘ für alles, was sie politisch vorhaben, nie mehr verzichten werden – bis hin zum AfD-Nachwuchs, der ankündigt, demnächst mit der Gleichung von Klimaschutz und Ausländerhass für sich zu werben.

In den Händen der Politiker liegt es jetzt – wieder und wie immer. Sie definieren, worin die drängenden ‚Fragen und Probleme der Weltrettung‘ überhaupt bestehen, und zwar in vornehmer Distanz zu ihrem Stimmvieh und zu allen, die mit dem Klimawandel ihre Probleme – welche auch immer – haben mögen. Nach ihrem Ermessen und unter Berücksichtigung von ‚Ökologie und Ökonomie‘ sowie weiteren wichtigen Begriffspärchen, deren Inhalt sie ebenso definieren, gehen sie die Lösung an – die in der Hauptsache schon darin liegt, dass sie in die richtigen Hände gefallen ist. Mehr Grüne im Parlament – die vordringlichsten Gründe fürs Schulschwänzen im Namen der Zukunft hätten sich damit erübrigt, oder? Und wenn ihr nicht kapieren wollt, dass ihr euren Job damit erledigt und den Rest den „Profis der Politik“ zu überlassen habt, bekommt ihr das von der deutschen Öffentlichkeit noch explizit mitgeteilt: Die findet es nämlich peinlich, dass ihre Politiker sich von einem „Obermoralisten“ im Internet haben vorführen lassen. Natürlich ist das Getöber mit hohen Werten gerade in der Hochzeit der Demokratie – dem Wahlkampf – sehr angebracht. Ihr habt deren Funktion aber ganz falsch verstanden, wenn ihr meint, dass man gegen die ‚Realität‘ – auch so ein Wert – auf ihnen bestehen kann. Der Nutzen der Werte in der Demokratie besteht in dem Gebrauch, den die wirklich Mächtigen und Befugten von ihnen machen, wenn sie sich bei ihrer Politik auf sie berufen. Nach Auffassung der Öffentlichkeit müsst ihr also noch lernen: Zwischen die mahnenden Ratschläge von Wissenschaftlern und dem unendlich guten Willen einer aufgeweckten Jugend auf der einen Seite und die Praxis der politischen Verwaltung eines weltmarktbewährten Kapitalstandortes auf der anderen Seite gehört noch die ‚Kompromissfindung‘ als heilige Kuh der Demokratie – an der relativiert sich jedes Anliegen, sodass am Ende die Verbindlichkeit politischer Machtworte gefragt ist. Dafür wurde der Beruf des Politikers erfunden.“

Quelle: https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/an-fridays-for-future

„Dieser Artikel ist in der Zeitschrift GegenStandpunkt 2-19 erschienen. Sie kann über den Buchhandel oder direkt beim Verlag als Druckausgabe oder E-Book erworben werden.“

Siehe: https://de.gegenstandpunkt.com/

+++

Offener Brief an die Seenotretter[*innen] und ihre Sympathisant[*inn]en

Ihr werdet selbst nicht übertrieben stolz sein auf den menschlichen Anstand, der euch vor einem Salvini auszeichnet – bei dem Vergleich! Ihr werdet selbst am besten wissen, wie wenig euer Einsatz ausrichtet – bei der Katastrophenlage im Mittelmeer und angesichts einer europäischen Flüchtlingspolitik, die kaum noch Rettungseinsätze zulässt. Und ihr kennt sicher alle Zweifel an eurer selbstgewählten Mission, gegen die ihr auf jeden Fall das moralisch unschlagbare „Wenigstens“, „Sollen wir denn bloß zugucken?“, „Immerhin …“ auf eurer Seite habt.

Trotzdem ein Aber von kommunistischer Seite. Das nicht darauf zielt, dass ihr lasst, was ihr euch vorgenommen habt. Sondern auf ein Urteil über die Welt, in der politische Herrschaften wie die demokratische deutsche das Sagen haben, in der Katastrophen wie die der Flüchtlinge am und im Mittelmeer an der Tagesordnung sind – und in der solche Initiativen wie die eure in der Sache einen ganz fatalen Stellenwert haben, auch und gerade wenn ihr das überhaupt nicht wollt. Da stiftet die bürgerliche Herrschaft mit ihrem Regime über Weltmarkt und Staatenwelt Überlebensbedingungen, zu deren Wirkungen Katastrophen gehören, die jedes individuell zu bewältigende Maß weit überschreiten; herrschaftlich gesetzte Lebens- und Sterbensbedingungen eben – und es gehört zur inneren Ökonomie dieser Herrschaft einfach dazu, dass diese als Herzensangelegenheit betroffener Menschen rangieren. Dieselbe politische Weltordnung, die katastrophale Zustände schafft, schiebt die Konsequenzen und den Umgang damit ab in die Sphäre der individuellen Moral, macht faktisch eine Privataffäre daraus. Und wenn man den großen Humanistinnen und Humanisten unter den maßgeblichen Machthabern der Welt zuhört, dann bekennen die sich auf ihre Weise auch genau dazu: Die verheerenden Konsequenzen des globalen Herrschaftssystems, an dem sie professionell mitwirken, begleiten diese Damen und Herren routiniert mit der Beschwörung höchster Werte, die da auf dem Spiel stehen würden. Und je höher der beschworene Wert, desto kürzer der Übergang zum moralischen Anspruch an „jeden Einzelnen“, sich ganz persönlich, am besten auch noch stellvertretend für die „eigene“ „reiche Nation“, ein Gewissen daraus zu machen, dass da mal wieder die Humanität leidet. Dabei ist das Entscheidende: Dieser Abgang in die Welt der höchstpersönlichen Anständigkeit ist nicht bloß ein regierungsamtlicher Zynismus; der gehört untrennbar zur bei uns herrschenden „christlich-abendländischen Leitkultur“ und ist deswegen auf jeden Fall viel populärer als die Bereitschaft zu einer begründeten Absage an die Gründe des ganzen Elends.

In der Welt der bürgerlichen Wohlanständigkeit gehört es sich ganz einfach so, dass die anständigen Einzelnen sich aus den brutalsten und gemeinsten Auswirkungen der „globalisierten“ Lebensverhältnisse, die die politischen Mächte herbeiführen und von A bis Z perfekt durchorganisieren, ein Gewissen machen, so als hätte jeder Einzelne sich all das bestellt, was die politische Herrschaft, der er gehorcht, zielstrebig anrichtet, und all die Leichen zu verantworten, über die die maßgeblichen Staaten mit ihrer Weltordnung gehen.

Dazu: nicht zu einer bloßen Ideologie, sondern zu dieser Art herrschaftlicher Inanspruchnahme des privaten Gewissens, ist euer – menschlich hochanständiger – Einsatz zur Seenotrettung ein Beitrag; davon ist er ein Fall. Das ist er nicht, weil ihr es so wollt oder weil ihr euch in irgendetwas täuscht, sondern weil Politik und Leitkultur der Staatsgewalten, die die Welt gestalten, so funktionieren; weil in dem System, das diese Welt beherrscht, genau das der wirkliche, objektive Stellenwert all der privaten Aktivitäten ist, die aus moralischer Betroffenheit erwachsen. Da helfen auch alle beherzten Anklagen nichts: Dieses System politischer Gewaltverhältnisse macht aus dem moralischen Verantwortungsbewusstsein seiner Bürger, das es ihnen praktisch beibringt, sogar aus privater Empörung und empörter Aktion seinen Freispruch, seine Ermächtigung zum „Weiter so!“

Gegen diese Logik ist selbst ein Salvini, menschlich gesehen, nur ein Hampelmann.“

Quelle: https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/offener-brief-an-seenotretter-ihre-sympathisanten

„Dieser Artikel ist in der Zeitschrift GegenStandpunkt 3-19 erschienen. Sie kann über den Buchhandel oder direkt beim Verlag als Druckausgabe oder E-Book erworben werden.“

Siehe: https://de.gegenstandpunkt.com/

PS: Die böse verunglimpfte „gute alte Schule“ der prinzipiellen Grundsatzkritik ist in dieser Hinsicht leider verdammt selten geworden… zumindest was die alltägliche Gesprächskultur angeht…

PPS: Leider gendert der/die/das GSP* immer noch nicht.

* GSP = GegenStandPunkt

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Und trotz alledem, weiter so. Denn von nix kütt nix. Also, tu mal wat.
Für den Kommunismus.

Freiheit vs. Gewaltfreiheit vs. Gewalt vs. Monopol vs. Geschichte

Wir dokumentieren hiermit beispielhaft eine interessante Diskussionsanregung, gegen Befriedung:

„Hat XR die erfolgreiche Strategie, um den Planeten zu retten?

von: Anna and Arthur am: 19.08.2019 – 14:38

Dies ist eine Zusammenfassung des Artikels “Has XR the successful strategy to save the planet?” https://libcom.org/library/has-xr-successful-strategy-save-planet

Extinction Rebellion hat eine sehr klare Taktik: massenhafter [(sog.)] gewaltfreier ziviler Ungehorsam. XR erklärt, dass sich erwiesenermaßen die erfolgreichste Strategie sei. XR’s Mobilisierungen haben erfolgreich gezeigt, dass sie eine Massenbeteiligung aufbauen können mit einer großen Anzahl von Personen, die bereit sind sich verhaften zu lassen. Diese Taktik wird auch in ihren Prinzipien und Werten festgelegt.

„2. Unser Fokus liegt auf dem Erreichen des Notwendigen. Die 3,5 Prozent der Bevölkerung zu mobilisieren, die nötig sind, um Systemveränderungen zu erreichen.

„9. Wir sind ein gewaltfreies Netzwerk. Wir nutzen gewaltfreie Strategien und Methoden als effektivstes Mittel, um Veränderungen herbeizuführen.

Die Taktik basiert in erster Linie auf der Studie und dem Buch „Why civil resistance works: The strategic logic of nonviolent conflict“ von Erica Chenoweth (2008, 2011). Die Studie untersucht nationale Kampagnen, die entweder Anti-Regime-, Anti-Besetzungs- oder Unabhängigkeitskampagnen sind. Viele in XR glauben nicht, dass sie versuchen, ein Regime zu ändern, aber eins ihrer Ziel ist eine Änderung der Regierungsweise durch die Verlagerung der Macht von Parlamenten auf eine Bürger:innenversammlung.

Chenoweths Studie hat mehrere wesentliche Einschränkungen. Sie basiert auf einem Datensatz von 323 Widerstandskampagnen (1900-2006), von denen nur wenige in westlichen Industrienationen stattfinden (ETA, IRA) und von denen nur eine versucht hat, eine westliche Demokratie abzusetzen (Spanien 1936-39). Soziale oder wirtschaftliche Kampagnen sind per Definition ausgeschlossen.

Es ist nicht einmal eine umfassende Studie über diese Art nationaler Kampagnen zur Änderung eines Regimes. Im Datensatz fehlen Fälle wie die irische Unabhängigkeit oder die Russische Oktoberrevolution. Einige werden als „gewaltlos“ eingestuft, obwohl andere sie als „gewalttätig“ bezeichnen würden, wie z.B. die Erste Intifada in Palästina. Kampagnen gegen nichtstaatliche Akteure sind ebenfalls nicht enthalten. XR’s Behauptung, dass Gewaltlosigkeit der „effektivste Weg“ – oder „doppelt so wahrscheinlich“ – ist, kommt allein von der relativen Zahl in diesem spezifischen Datensatz.

Jede Kampagne wird als Einzelfall betrachtet und ist abgeschnitten von geschichtlichen Zusammenhängen sowie von anderen Kampagnen, die gleichzeitig stattfinden. Dadurch entstehen absude Fälle wie Südafrika, wo nur zwei Perioden berücksichtigt werden: die ‘First Defiance Campaign’ (1952-61) und dann eine zweite Kampagne (1984-94), die separat betrachtet werden. Die 23-jährige Lücke, in der bewaffneter Kampf, gewaltfreie Aktionen und internationale Boykotte stattfanden, ist für die Studie nicht signifikant. Die Anerkennung für die Beendigung der Apartheid geht allein an gewaltfreie Aktionen nach 1984.

Es ist eine häufige Behauptung, dass es bewiesen sei, dass nur 3,5% nötig sind, um den Erfolg einer massenhaften, gewaltfreien Kampagne des zivilen Ungehorsam zu garantieren. Dies wird auch in einer der Prinzipien von XR deutlich hervorgehoben. Aber dies kommt weder in der Studie noch im Buch vor. Chenoweth bezieht sich in ihrem TED-Gespräch in 2013 darauf, aber 2017 stellte sie klar, dass es keine Veröffentlichung darüber gibt. Es ist lediglich der Grenzwert in den drei größten erfolgreichen gewaltfreien Kampagnen, die in der Studie behandelt werden.

In Vorträgen und Präsentationen bezieht sich XR auch auf historische Fälle oder Figuren als Beispiele für erfolgreiches gewaltfreies Handeln. Zwei davon sind die Suffragetten, die in Großbritannien Bomben und Brandstiftungen einsetzten und dies nur für den Ersten Weltkrieg aussetzten; und Nelson Mandela, der den bewaffneten Flügel des ANC gründete und sich während seiner gesamten Haftzeit weigerte sich von Gewalt zu distanzieren. Der ANC setzte seinen bewaffneten Kampf 1990 aus – allerdings erst, als es ihm gelungen war, die südafrikanische Regierung an den Verhandlungstisch zu bringen. Andere erwähnte Fälle geben nur einer Person die Anerkennung für den Erfolg einer lang laufenden, vielfältigen Kampagne, wie z.B. Martin Luther King.

XR nimmt die Einschränkungen dieser Studie und wendet sie als Einschränkungen auf ihre eigene Taktik der Gewaltlosigkeit und Massenbeteiligung an, mit dem Ziel, verhaftet zu werden, um mehr Unterstützung zu erhalten. XR konzentriert sich dabei nur auf nationale Regierungen. Andere Machtstrukturen werden weder analysiert, noch in Frage gestellt. Die zugrunde liegende Annahme ist, dass die Bürger:innenversammlung wird irgendwie all diese anderen Strukturen überwinden und damit eine bessere Politik entwickeln werden.

Jede XR-Gruppe zielt nur auf ihre eigene nationale Regierung allein. Während Unternehmen manchmal Ziel einer Aktion sind, ist es Teil der Taktik, die lediglich die Regierung des einzelnen Staates anzugreifen. Andere multinationale oder internationale Institutionen kommen dabei nicht einmal vor.

In der chaotischen aktuellen Realität haben die Aktionen von Extinction Rebellion, die Aufmerksamkeit der Medien auf sich gezogen. Sie haben zusammen mit anderen Gruppen wie Friday’s for Future dazu beigetragen, die Bedrohung durch Klimawandel und Biodiversitätsverlust weiter in den öffentlichen Diskurs zu bringen. Es ist ermutigend zu sehen, dass sich diejenigen, die durch die Aktionen von XR mobilisiert worden sind, sich auch anderen Gruppen in diesem gemeinsamen Kampf anschließen. Diese neuen Aktivisten sind bereit, an Aktionen teilzunehmen, die weniger starr sind, die sich auf unterschiedliche Forderungen gegen Klimawandel und Biodiversitätsverlust konzentrieren; Aktionen, die verschiedene Formen von Aktionskonsens haben können.

Die Geschichte von Veränderungen ist eine vielfältige Geschichte. Eine einzige Studie kann uns einige Dinge beibringen, sollte aber nicht als die wahre Wahrheit angesehen werden.

In Großbritannien, wo XR gegründet worden ist, lautet das Hauptziel “Tell the Truth” (Sag die Wahrheit). Sollte eine Organisation mit diesem Ziel nicht auch ihren Teilnehmenden die Wahrheit sagen? Sagen wir also die Wahrheit, statt Geschichte falsch darzustellen. Eins ist sicher: wir brauchen verschiedene Bewegungen und Aktionsformen, um Machtstrukturen zu verändern

webadresse: https://libcom.org/library/has-xr-successful-strategy-save-planet “

Quelle: https://de.indymedia.org/node/36353

Hunderte andere, ähnliche Debatten zum Thema „Gewalt“ oder vorgeblich nicht oder so gab und gibt es schon… Nur so.

Kapitalismus abschaffen.

Anders, aber auch interessant zum Thema „Klima“, „Umwelt“, „Natur“, „…Krise“ usw. ist z.B. u.a.: http://neoprene.blogsport.de/2019/06/09/klimawandel-fridays-for-future-gsp-und-kritik/



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